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Beitrag von „Dr. Klaas Pätzold“

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090-095-099_2010-03-17

 

„Historisch-politische Anmerkung
 zur Landschaft der niedersächsischen Landschaften“

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident,

sehr geehrter Herr Minister,
sehr geehrte Damen und Herren Landtagsabgeordnete,

sehr geehrte Damen und Herren!

„Landschaft“, „Landschaftsverband“, „landschaftliche Brandkasse“ - das klingt für den Außenstehenden alles erst einmal merkwürdig. Denn es ist ja nun offenkundig, dass diese Begriffe am heutigen Abend nichts mit Natur, Landschaftspflege oder Landschaftsmalerei zu tun haben.

Die Veranstalter haben mich gebeten, einige Schneisen in diesen Dschungel der Begriffe zu schlagen. Ich möchte Ihnen diese typisch niedersächsische „Landschaft der Landschaften“ besser erschließen.

„Landschaft“ - dieses Wort enthält die Endsilbe „-schaft“, die wir im Deutschen auch in vielen anderen Wörtern finden. Dabei handelt es sich meist um eine Bezeichnung von personalen Beziehungen, von Verhaltensweisen oder eben menschlichen Eigen-„schaften“: „Mannschaft“. „Gesellschaft“. „Freundschaft“. „Botschaft“. „Bereitschaft“ - und so weiter. Die heute gängige Bedeutung von „Landschaft“ meint aber einen Ausschnitt unserer geografischen Umwelt, eine physische Gegebenheit. Das passt nicht so recht zu den anderen Befunden. Wie kommt das?

Eine Erklärung für dieses Phänomen bietet der Blick zurück in die Geschichte unserer politischen Institutionen.

Im ausgehenden Mittelalter und in der frühen Neuzeit entwickeln sich allmählich Staaten im modernen Sinn. Die persönliche Gefolgschaft des Adeligen gegenüber seinem Lehnsherrn institutionalisiert sich in Form der Landstände, die dem Landesherrn gegenüber stehen. Der Adel bildete einen solchen Stand, auch der Klerus und die selbstbewusste Bürgerschaft der Städte. In manchen Gebieten behaupteten die freien Bauern ihre Stellung und bildeten einen eigenen Stand. Wenn sich diese Landstände zu ihren Versammlungen unter freiem Himmel trafen, so nannte man das schon im Mittelalter den „Landtag“.

Meine Damen und Herren Abgeordnete, Sie können also stolz darauf sein, dass Sie - zumindest begriffsgeschichtlich gesehen - eine der ältesten und ehrwürdigsten Institutionen im deutschsprachigen Raum vertreten!